(Renate B.) Irland, die westliche der beiden großen Britischen Inseln, wird zu Recht die „Grüne Insel“ genannt. Zu fünf Sechsteln gehört sie zur unabhängigen Republik Irland, das übrige – nordöstliche – Sechstel, Nordirland, ist Teil des vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland.
Grasbewachsene Hänge im Osten der Republik bilden einen lebhaften Gegensatz zu den heidebedeckten Hügeln und Bergseen des Westens. Im Landesinneren prägen ebenes Weideland und ausgedehnte Torfmoore das Landschaftsbild. Die randlichen zerklüfteten Gebirge formen schroffe Felsküsten, die steil zum oft stürmischen Meer abbrechen. Das milde, feuchte Wetter scheint von Tag zu Tag zu wechseln. Im äußersten Südwesten der Insel allerdings, in der Grafschaft Kerry, gedeihen – durch den warmen Golfstrom begünstigt – sogar im Freien subtropische Pflanzen.
Die Religion spielt in Irland von jeher eine wichtige Rolle. Etwa 88% der Bevölkerung sind katholisch, was z.T. erheblichen Einfluss auf die Regierungspolitik hat und bis zur Zensur von Büchern und Theaterstücken führte. Die Terroranschläge, die in Nordirland verübt wurden, sind zum großen Teil auf den scharfen Gegensatz der Republik zum vornehmlich protestantisch ausgerichteten Nachbarstaat zurückzuführen. Die von der Regierung verbotene IRA (Irisch Republikanische Armee) machte sich diese religiösen Differenzen zunutze, um eine Wiedervereinigung Irlands auf gewaltsamem Wege zu erreichen, was bekanntlich scheiterte. 2005 hat die IRA ihren gewaltsamen Weg für beendet erklärt und ihr Waffenarsenal unbrauchbar gemacht. Die Regierungen in London und in Dublin begrüßten die Entwaffnung als Schritt zum Frieden.
2003 ist es dann soweit. Im Juni treten wir die Fahrt nach Irland an. Für Eric, unseren Sohn, geht ein Jugendtraum in Erfüllung.
Am 22. Juni ist in Oberkirch Start. Die Vorplanung gibt grob vor, dass von uns aus über Straßburg – Metz – Reims – Lille bis Dünkirchen gefahren und von dort mit der Fähre nach Südengland übergesetzt wird. Von Dünkirchen deshalb, weil dort im Gegensatz zu Calais die Fähre fast 50 % günstiger ist. Die Überfahrt Dünkirchen – Dover dauert 1 Stunde 30 Minuten.
Von Dover bis Fishguard wird Südengland auf kürzestem Weg durchquert. London lassen wir links liegen, von dort geht es dann weiter über Newport – Swansea – nach Fishguard. Mit dem Linksverkehr gibt es bis auf kleinere Ausrutscher keine Probleme. Man gewöhnt sich erstaunlich schnell daran, als Fahrer dem linken Fahrbahnrand nahe zu sein. Lediglich der Beifahrer geht in der Straßenmitte ab und zu durch eine Linksbewegung entgegenkommenden Brummis aus dem weg. An Kreuzungen und Einmündungen ist erhöhte Konzentration angesagt. Auch am Kreisverkehr will mein Mann anfangs beharrlich nach rechts einbiegen. Aber man gewöhnt sich an alles, und wenn man keine Wahl hat, ziemlich schnell.
Von Fishguard setzen wir dann in 2 Stunden 4o Minuten über nach Rosslare in Irland. Von Rosslare aus umfahren wir dann die Insel im Uhrzeigersinn und nehmen landschaftlich und kulturell mit, was auf der Strecke liegt. Uns wird klar, dass wir täglich auf Fahrt sind, abends immer einen Stell- oder Campingplatz anfahren müssen und maximal am Urlaubende, wenn es die Zeit noch zulässt, einen Kurzurlaub ohne Fahren anhängen werden.
So legen wir den 1. Gang im Linksverkehr ein und fahren in südwestliche Richtung. Vorweg sei bemerkt, dass wir mit dem heißen Sommer 2003, eine optimale Wetterlage für Irland antreffen.
Südosten: Von Rosslare bis Cork
Wir haben erste Begegnungen mit irischen Parks, irischer Landschaft und irischer Freundlichkeit, mit Hook Head, dem ältesten Leuchtturm Europas und der einsamen Klosterruine Dunbrody.
Südwesten: Ring of Beara, Ring of Kerry, Dingle Halbinsel
Vom subtropischen Blumenparadies, durch Eichenurwald in nordische Bergwildnis. Hier finden auf saftigen Weiden die Produzen- tinnen irischer Butter ihr aromatisches Futter. Kurvenreich und voller Überraschungen windet sich die Küstenstraße am Meer entlang. Vom Healy Pass genießt man einen traumhaften Ausblick über den Talkessel des Glanmore Lake.
Der Wilde Westen: Von Tralee bis Sligo
Ein dünn besiedeltes Land voller Moore, Seen und Mythen. Ein Land mit atemberaubenden Klippen und kargen Karstregionen. Dort sind auch die Cliffs of Moher. Cliffs of Moher das ist Magenkribbeln zweihundert Meter senkrecht über der Atlantikbrandung. Galway, Connemara, Connaught und Mayo – schon der Klang dieser Namen beschwört traumhafte Bilder herauf. Dort ist Irland am irischten.
Der hohe Norden: Von Ballyshannon bis Malin Head, Nordirland
Hier geht es durch ein wildes und melancholisches Bergland der Superlative. Die höchsten Klippen, der schönste Berg, der größte Nationalpark und Karibik-Impressionen.
Als das größte Naturwunder Nordirlands bezeichnen Reiseführer den „Giant’s Causeway“. Die ca. 37.000 sechseckigen Basaltsäulen entstanden vor 60 Millionen Jahren, als massive Lavabeulen die Erdkruste durchbrachen und in ihren kuriosen Formen erstarrten.
Die Ostküste: Von Dundalk bis Wexford
Monasterboice ist neben Clonmacnois und Glendalough die berühmteste Klosterruine Irlands.
An einem malerischen Bergbach entlang fahren wir zwischen Moor- und Heidehängen hinauf in die Berge der Wicklow Mountains, danach wieder zurück zur Küste: Der Kreis schließt sich.
Wieder in England, machen wir noch einen Abstecher nach Stonehenge.
Renate Braun
